Verkaufs-Kolumne mit Georg Ortner

Liebe Leserin, lieber Leser,

bei der Zeitungslektüre machte ich kürzlich eine interessante Entdeckung. Die Zahl der Single-Haushalte steigt weiter, schreibt „Die Presse“ und verantwortlich sei der dramatische Zuwachs der Scheidungen bei den über 50-jährigen.

Früher hätte man sich die Scheidung finanziell nicht leisten können, wird dies begründet. Heute dagegen ermöglicht und fördert der gemeinsame Wohlstand die Trennung. So hätten sich viele Ehepartner längst auseinandergelebt. Die Kinder sind erwachsen, stehen vielleicht schon auf eigenen Füßen und man muss ihnen nicht mehr die harmonische Ehe vorspielen. Die Immobilie passt nach der Trennung natürlich auch nicht mehr zum Leben, aber sie ist weitgehend bezahlt und dient so als Kapitalbasis für einen Neu-Beginn.

Sind die Kinder aus dem Haus, zieht es auch den Ehemann von dannen, denke ich mir und stelle mir einen gewaltigen Markt für Makler vor, die sich dieses Themas annehmen. Die meisten Kollegen haben zwar die Senioren entdeckt, nicht jedoch das Thema Scheidung.

Schon kurze Zeit später wird das Thema Scheidung konkret. Meine als Maklerin tätige Ehefrau Janette freut sich über den Auftrag, ein Haus zu verkaufen. Das Eigentümerpaar will sich trennen. Beide etwa Ende vierzig, die Kinder sind aus dem Haus und man hat sich auseinandergelebt. Streit gibt es nicht, nur noch um die Frage, wie das Haus neue Eigentümer findet. Die Immobilie ist weitgehend lastenfrei und soll nun beiden Partnern ein neues Leben finanzieren.

Mit nur wenig Fantasie wären sogar drei Transaktionen vorstellbar. Denn ein Haus wird verkauft und zwei Wohnungen, zum Kauf oder zur Miete, müssen gefunden werden. Dabei sind Scheidungsimmobilien vielleicht interessanter als die „Immobilie im Alter“. Während man bei den Senioren einen langen Atem haben muss, um als Makler irgendwann einmal zum Zuge zu kommen, ist bei der Scheidung ein schneller Verkauf wahrscheinlicher. Erst recht, wenn die Kinder nicht mehr im Haus leben und so die Immobilie zu keinem der Eheleute passt.

Makler sollten das Thema besetzen. Aber wie kommuniziert man’s? Flyer verteilen, eventuell mit dem Text „Scheidung droht? Wir kümmern uns um Ihre Immobilie“ wird für einige Missverständnisse und Irritationen sorgen. Man könnte auch in Universitäten und höheren Schulen werben „Schützt Euer Erbe! Der richtige Makler sorgt dafür, dass Eure Eltern Euch was hinterlassen.“

Spaß beiseite! Das Thema Scheidung kommt eher über Netzwerke in Fahrt. Scheidungsanwälte, Eheberater aber auch Sport-Studios kämen in Frage. Denn wer sich trennen will, versucht ja oft übers Training den eigenen „Marktwert“ zu steigern.

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