Sie sind der Traum jedes Maklers

Sie wollen kaufen oder mieten. Eins von beiden auf jeden Fall.

Eine geräumige Wohnung oder ein Haus soll es sein, nicht unter 130 qm. Das Häuschen gerne noch ein wenig größer und mit Garten. Denn es darf auch etwas kosten. 2.000 bis 2.200 Euro im Monat, beziehungsweise den entsprechenden Wert für ein Kaufobjekt. Sollte doch nicht so schwierig sein….

team-lercheDas ist die Ausgangssituation seit Beginn des Jahres 2015. Unsere Mitarbeiterin Jennifer Lerche ist (immer noch!) auf Immobiliensuche. Doch muss sie schnell feststellen, dass es gar nicht so viele Immobilien-Profis da draußen gibt, wie man annehmen möchte – wenn man jeden Tag mit vielen netten Maklern zu tun hat.

Leider müssen sich diese Immobilien-Profis nach wie vor gegen „Kollegen“ zur Wehr setzen, die das Bild der Branche in der Öffentlichkeit prägen. Nachfolgend finden Sie eine Aufzeichnung der teils skurrilen Begebenheiten der vergangenen sechs Monaten – die leider nicht fiktiv sind.

Februar 2015: Erste Erfahrungen
Mit jeder Besichtigung gewinnen wir an Erfahrung. Interessante Erkenntnis: Wenn der oder die Eigentümer bei der Besichtigung dabei sind, kommt der Makler nicht mehr zu Wort. In einem Fall wurde die Maklerin sogar von den Eigentümern bis zum Ende der Begehung in die Küche verbannt. Dafür ziehen sich dann die Besichtigungen mit Amateuren in die Länge, weil wir uns von den Eigentümern jedes belanglose Detail über die Immobilie anhören müssen.

Der Phantast
Zugegeben, schlecht war sie vielleicht nicht. Aber eben doch nicht ganz die Einbauküche, die wir haben wollten. Zehn Jahre hatte sie locker auf dem Buckel. „Nur 10.000 Euro Übernahme!“, hieß es jovial (sah aber eher nach 5.000 Euro Neupreis aus). Dass an mehreren Schränken die Scharniere fehlten, interessierte den Makler nicht weiter. Noch ausdauernder pries er die Einrichtungs-Altlast weiter an. Bei Mietobjekten müssen wohl zahlreiche Neben-Bedingungen beachtet werden.

März 2015: Der Geschäftsmann
Ein Makler bietet sein ehemaliges Büro zur Miete an. Allerdings nicht provisionsfrei, wie vermutet, sondern über eine andere Firma seiner Unternehmensgruppe. Grundsätzlich zwar korrekt, aber trotzdem fühlten wir uns über den Tisch gezogen. Verständlich bei einer möglichen Forderung von mehr als 6.000 Euro.

Mai 2015: Der Snob
Das Gefühl, lästig zu sein, beschleicht uns bei Mietobjekten immer öfter. Dabei gilt ab Juni das Besteller-Prinzip, letzte Gelegenheit für einige Makler noch ein Geschäft einzufädeln. Die mögliche Provision liegt immerhin noch zwischen 4000 und 6000 Euro.

Der Entertainer
„Einen wunderschönen guten Tag, verehrte …, ich begleite Sie heute auf Ihrer Besichtigung!“, frohlockt der Makler zur Begrüßung und gebärdet sich leutselig wie ein Animateur im Ferienclub. „Wie viel Kinder wollen Sie eigentlich noch adoptieren?“, erkundigt er sich nach einiger Zeit. Erstaunte Rückfrage. „Na, weil das Haus doch so groß ist!“

Der Zocker
Dieses Haus ist perfekt! Kaufen? Ja! Unsere Begeisterung hätten wir besser ein wenig gezügelt. Denn sofort gibt es wieder anderen Interessenten. „Aber wenn Sie mir noch 8.000 Euro als Extraprovision so(!) dazu geben, bekommen Sie es.“, verspricht der Makler. Wir verweisen ihn an die anderen Interessenten. Ob die Eigentümer ahnen, welche Geschäfte hinter ihrem Rücken (nicht) gemacht werden?

Juni 2015: Laien
Privatverkäufer sind meist hervorragend vorbereitet. Alle Unterlagen zur Hand. Welche Abrechnung? Hier ist sie. Alles bestens dokumentiert und archiviert. Und über das Haus können sie wie kein Zweiter erzählen. Wann, wie, von wem, es gebaut wurde, wie hoch die Nebenkosten sind und wie sich diese entwickelt haben – mit Aufschlüsselung der einzelnen Nebenkosten und einem Grundriss.
Doch es gibt auch andere. Die nehmen Fotos von vor 20 Jahren. Alles so schön neu hier. Der Putz ist noch weiß und nicht grau wie heute. Die Räume wirken frisch, ebenso wie die Einrichtung. So werden Objektfotos zu Suchbildern – entdecke die 90er.

Der Drücker
„Sie wollen es sich nochmal überlegen? Okay, aber ich muss Ihnen sagen, dass wir da noch einen ernsthaften Interessenten haben, der das Haus sofort nehmen würde. Den kann ich nicht mehr lange hinhalten.“ Solche und ähnliche Sprüche hören wir immer wieder, wenn wir noch Bedenkzeit erbitten (Alte Schule, nennt das mein Chef). Immer wieder taucht da ein mysteriöser kaufwilliger Dritter auf. Wer glaubt das denn? Das Vertrauen zum Makler ist in Sekundenbruchteilen dahin und auch die eigene Kaufbereitschaft verpufft. Denn wenn so plump Verkaufsdruck aufgebaut wird, ist da möglicherweise was faul?

Der Kreative
Der Putz bröckelt von den Wänden. Die ersehnte Wohnung war früher einmal ein Büro, und der Boden wellt sich wie im Erlebnispark. „Kein Problem, da kann man ganz viel draus machen“, schwärmt der Makler. Hätten wir den Zustand des Objekts allerdings im Vorfeld etwas näher an der Realität beschrieben bekommen, wären wir erst gar nicht auf die Idee zu kommen, dort hin zu fahren. Leider passiert es immer wieder, dass wir von Objektfotos getäuscht werden, eine überflüssige Besichtigung vereinbaren, wo dann versucht wird, uns eine Bruchbude schön zu reden. Ist den Maklern ihre Zeit nichts wert?

Medien, wie die virtuelle Innenbesichtigung, kenne ich übrigens bislang nur aus dem IMMOBILIEN-PROFI.

(wird fortgesetzt)

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