Kolumne Werner BerghausEs liegt schon einige Jahre zurück, da erspähte ich in Köln einen geparkten schwarzen Hummer H2 mit der Werbung eines Immobilienmaklers auf dem Heck. Wer es nicht weiß, der Hummer ist ein amerikanisches SUV-Fahrzeug (Sport Utility Vehikel), der optisch eng mit dem Geländewagen des US-Militärs verwandt ist.

Mit einem solchen Auto in Köln Immobilien zu verkaufen ist sicher nicht einfach, dachte ich mir, merkte mir die Makler-Adresse und beschloss im Büro einmal nachzuschauen, was dieser Kollege so treibt. Dort erfuhr ich, dass dieser Makler in einem ca. 40 Kilometer entfernten Ort im Bergischen Land residiert und in Köln lediglich zwei Mietobjekte anbietet.

„Na, das ist aber ein teures Hobby, für jede Besichtigung 45 Minuten mit einem Hummer anzureisen“, ging es mir durch den Kopf. Neugierig schaute ich mir die weiteren Angebote des Malers an und stellte fest, dass immerhin auch zehn Verkaufsobjekte angeboten wurden. Davon wurde aber nur eine der Immobilien am Standort des Maklers beworben. Farming sieht anders aus.

Heft 81 / 2015

Heft 81 / 2015

Ich ging die Ortsliste durch und stellte fest, dass die restlichen neun Objekte gut verteilt waren, im Sauerland, in der Eifel, in Köln und der Rest im Bergischen Land. Also bemühte ich Google-Maps und maß die Entfernungen zwischen dem Sauerland und der Eifel ab. Ganze 175 Kilometer und zwei Fahrtstunden lagen zwischen diesen Objekten. Alle Achtung, dieser Makler scheint Autofahren zu lieben. Ich spekulierte, ob er es schafft, seinen Objektbestand mit einer Tankfüllung abzufahren.

Wikipedia liefert schnell die Daten: 121 Liter Benzin passen in den Hummer, der jedoch auch 23 Liter auf 100 Kilometern konsumiert. Das wird knapp. Ich erfasste die Postleitzahlen der Angebote in einer Excel-Tabelle und importierte sie in die Software Microsoft MapPoint und ließ mir die günstigste Route, ausgehend vom Maklerbüro an allen Objekten vorbei und wieder zurück an den Standort, berechnen.

Nach wenigen Sekunden erhielt ich die Antwort. Der Makler hätte es tatsächlich ohne Nachtanken knapp geschafft. Die Fahrtzeit würde, ohne Stopp, fast sieben Stunden betragen. Soll noch einer sagen, Makler wären nicht fleißig.

Mittlerweile ist die Webseite des Maklers leider nicht mehr auffindbar, vermutlich ist das Marketingkonzept des Kollegen nicht aufgegangen. „Das Siechtum des Maklers erhöht sich mit der Größe des Verkaufsgebiets“, heißt es bei Makeln21. Zeugt das aktuelle Beispiel schon von Selbstmord aus Angst vor dem Siechtum?

Was zeigen uns solche Beispiele? Wer sein Verkaufsgebiet überdehnt macht das nur kurze Zeit. Farming ist kein neues „Marketing-Konzept aus den USA“ wie es von manchen Experten gerne angepriesen wird, Farming ist die logische Konsequenz aus den Forderungen des Dienstleistungs-Marketings, nämlich dort präsent sein, wo die Auftraggeber von Morgen schon sind.

Merke: Die Größe des Farminggebiets wird bestimmt durch die Größe des maximal möglichen Marketingaufwands – personell und finanziell.

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