KI im Innendienst (2) – Wie der Computer ins Wohnzimmer kam und was das mit KI zu tun hat
Online-Redaktion
April 17, 2026
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Oft werde ich gefragt, warum ich mich intensiv mit KI beschäftige. Um das zu verstehen, begleiten Sie mich am besten auf eine kurze Reise in die Vergangenheit!
Es war 1977 und Ken Olsen, Mitbegründer von Digital Equipment Corporation, gab mit der ganzen Autorität eines Branchenkenners folgende Prognose ab: „Es gibt keinen Grund, dass ein Mensch zu Hause einen Computer haben sollte.“ Computer galten als riesige, teure Maschinen für Konzerne und Forschungseinrichtungen – nicht für den Küchentisch.
Neun Jahre später, Ende 1986, stand ich vor einer Entscheidung, die mein Leben verändert hat. Der IBM PC XT/286 war gerade auf den Markt gekommen. Ein Monstrum aus beigefarbenem Metall, das mit dem nötigsten Zubehör – Festplatte, Grafikkarte, Monitor, Software – knapp 10.000 Mark kostete. Inflationsbereinigt entspricht das heute etwa 8.000 bis 9.000 EUR. Für Privatnutzer vollkommen absurd. Für die meisten Unternehmen ebenfalls.
Ein Gerät, dessen Nutzen vielen meiner Kollegen (damals war ich im Außendienst als angestellter Spezialist für betriebliche Altersversorgung tätig) komplett unklar war. „Wozu?“, fragten sie. „Für Berechnungen haben wir die Anbindung an das Allianz-Rechenzentrum. Für Briefe gibt es die modernen Kugelkopfschreibmaschinen. Und für die Kommunikation das Telefon und das neue Faxgerät.“
Trotzdem kaufte ich den PC. Nicht, weil ich genau wusste, was ich damit anfangen würde. Sondern weil ich eine unerschütterliche Überzeugung hatte: Das ist die Zukunft. Ich hatte Glück; als Lebenspartner einer IBM-Mitarbeiterin bekam ich 50 Prozent Rabatt. Aber selbst halbiert, war die Investition für meine damaligen Verhältnisse gewaltig.
Meine Kollegen lächelten mitleidig. Der klobige Monitor auf meinem Schreibtisch wurde zum Running Gag bei Bürobesuchen. Das Grinsen verging ihnen, als ich ihnen zeigte, wie ich mithilfe des PCs eine komplette Mailingaktion mit der Serienbrieffunktion von IBM PCText4 in wenigen Minuten durchführte. Wie ich damit Firmenkunden, innerhalb von Minuten statt Tagen, verschiedene Szenarien präsentierte. Oder wie ich meine jährliche Reisekostenabrechnung blitzschnell erledigte.
36 Jahre später, am 30. November 2022, wurde ChatGPT öffentlich zugänglich gemacht. Ich habe es zunächst ignoriert. Wie viele andere auch. „Ein Spielzeug“, dachte ich, „ein Hype. Nett, aber nicht relevant für mein Tagesgeschäft.“ Dann begann ich, mich intensiver damit zu beschäftigen. Erst neugierig. Dann systematisch. Und plötzlich war dieses alte Gefühl wieder da. Dieses leise, aber sehr klare innere Signal: Das ist die Zukunft. Nicht als Ersatz für menschliche Kompetenz, sondern als Verstärker funktionierender Prozesse.
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