Makler-CRM – Update 2024

Der Markt für Makler-CRMs war in den letzten 12 Monaten so stark in Bewegung wie schon lange nicht mehr.

Neue Player haben den Markt betreten, ein Player hat einen Strategieschwenk vollzogen, die Top 3 Makler-CRMs haben weiter Gas gegeben und um einen etablierten Player ist es etwas ruhiger geworden. Doch alles der Reihe nach.

Wer sind die Player am Markt?

Die wichtigsten Marktteilnehmer:

  1. Das unabhängige Aachener Softwarehaus onOffice ist mit über 30.000 Nutzern bei über 6.000 Kunden der Marktführer unter den Makler-CRMs;
  2. Die beiden zur Scout24 Gruppe gehörenden Makler-CRMs Propstack und FLOWFACT folgen mit über 5.300 Kunden zusammen genommen auf Position 2, wobei Propstack mittlerweile in Hinblick auf den Umsatz FLOWFACT überholt hat;
  3. Der zur Hypoport-Gruppe gehörende FIO Webmakler, der sich insbesondere bei Banken- und Sparkassen verbundenen Maklern großer Beliebtheit erfreut.
  4. Das zur Immowelt Gruppe gehörende Empro, unter dessen Dach sowohl die etablierte CRM-Suite von estatePro als auch die Neuentwicklungen Empro und EmproUp entwickelt werden.
  5. Der relativ junge westfälische Marktteilnehmer ilogu.

Die neuesten Entwicklungen im Jahr 2024

Robert Kaiser hat zahlreiche Unternehmen bei der Einführung von CRM Systemen beratend begleitet, u. a. die KSK-Immobilien GmbH. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der ProFido Consulting für Immobilienvermittlung GmbH mit Sitz in Bergisch Gladbach.
  • Mit Empro wagt die zur AVIV Germany gehörende Immowelt einen Neuanfang im Geschäftsbereich Makler-CRM. Im Mai 2022 gab es das letzte funktionale Update von estatePro, Mitte 2025 soll es aber eine neue „Großversion“ von estatePro geben. Konkreter wird das Unternehmen aktuell jedoch nicht.
    Zudem hat Empro mit den beiden Makler-CRMs „Empro“ und „EmproUp“ gleich zwei frische Fohlen aus dem Stall gelassen. Bei „Empro“ scheint es sich um einen potenziellen Nachfolger für den Commercial-Spezialisten estatePro zu handeln, der auf einer zeitgemäßen technologischen Architektur basiert und mit moderner User Experience daherkommt, allerdings bisher nicht an dessen Funktionsumfang anknüpfen kann. Bei EmproUp handelt es sich offenkundig um ein Einsteigerprodukt für Makler, um Exposés zentral erstellen und auf allen Portalen veröffentlichen zu können.
  • Der FIO Webmakler hat einige spannende KI-Funktionen wie z.B. “Homestaging AI” gelauncht und die Öffnung seiner Schnittstellen für das Jahr 2024 angekündigt.
  • FLOWFACT hat sich Ende 2023 mit dem Launch der Edition FLOWFACT Mini und einer kostenfreien Testphase von 24 Monaten auf Einzelmakler und Einsteiger fokussiert, allerdings ist die Anzahl der Updates von FLOWFACT in den letzten Monaten rückläufig.
  • onOffice hat sich vor allem auf die kontinuierliche Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit seiner Software, den funktionalen Ausbau der mobilen Applikation sowie die Erweiterung des Prozessmanagers und des Marketplaces fokussiert.
  • Propstack hat FLOWFACT in Hinblick auf Umsatz überholt und mit dem Franchise FALC auch ein Schwergewicht der Branche für Propstack gewinnen können. Franchises stehen erklärtermaßen im besonderen Fokus des Makler-CRMs.

Neben den Highlights des Jahres 2024 sind aber auch die jeweiligen Perspektiven der Maklerunternehmen von Interessen, die vor allem von der Unternehmensgröße und dem Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit abhängen:

onOffice-Dashboard

Einzelmakler und kleine Maklerunternehmen

Der größte Software-Dienstleister bei Maklern ist nach wie vor Microsoft mit seinem Produkt Excel. Auf unglaubliche 50 bis 60 Prozent wird nach wie vor der Marktanteil von Excel geschätzt. Daher ist die Versuchung der Softwareanbieter groß, diese Klientel für eine professionelle Softwarelösung zu gewinnen. Mit FLOWFACT Mini, ilogu und EmproUp u.v.m. gibt es einige relevante Player, die sich vor allem auf diese Zielgruppe konzentrieren.

  • Das Makler-CRM ilogu aus Westfalen bietet ab 30 EUR pro Monat neben einer Immobilienverwaltung, Kontakt- und Interessentenmanagement, Automatisierungsfunktionen wie z.B. einen automatisierten Exposéversand und Marketing Tools mit Social Media Schnittstelle.
  • FLOWFACT Mini bietet eine tiefe Integration mit ImmoScout24 und Möglichkeiten zur Automatisierung wie z.B. einen automatisierten Exposéversand, zunächst für 24 Monate kostenfrei, danach 29 EUR monatlich. Andererseits ist diese Edition von FLOWFACT auch erst gut 1 Jahr am Markt und muss sich daher noch beweisen.
  • Noch jünger ist das neue Produkt EmproUp aus dem Hause Empro. Hier liegt der Fokus darauf, ein Exposé zu erstellen und auf den wichtigsten Portalen veröffentlichen zu können, für 4 EUR netto je Objekt.

Große und mittelgroße Maklerhäuser mit Schwerpunkt ‘Wohnen Bestand’

Die meisten großen und mittelgroßen Maklerhäuser mit dem Schwerpunkt Bestandsimmobilien, die nicht mit einer Bank oder Sparkasse verbunden sind, stehen am Ende vor der Frage, ob sie sich für Propstack oder onOffice entscheiden sollen.

An onOffice schätzen viele Kunden:

  1. Die sehr individuelle Anpassung in der Administration der Software an die internen Strukturen und Geschäftsabläufe. Hervorzuheben ist hierbei u.a. der Prozessmanager im Zusammenspiel mit dem Webbaukasten von io, der sehr individuelle Anpassungen an interne Prozesse mit umfangreichen Automatisierungen ermöglicht.
  2. Den sehr umfangreichen Marketplace, wo mittlerweile über 40 Produkte und Dienstleistungen zugänglich sind: Diese Anbieter haben sich direkt in onOffice integriert, sodass sie aus dem Makler-CRM heraus direkt aufgerufen werden können. Einige Dienste wie z.B. Timum für das Terminmanagement, AreaButler für Lage-Informationen, PriceHubble für Bewertungen, weisen eine besonders tiefgehende Integration auf.
  3. Die Zugehörigkeit zu keinem der großen Konzerne – die Anteile des Unternehmens onOffice liegen nach wie vor in den Händen des Unternehmensgründers Stefan Mantl. Viele Makler schätzen diese Unabhängigkeit von den großen Playern in der Branche.

An Propstack schätzen viele Marktteilnehmer:

  1. die Nutzerfreundlichkeit: Propstack zeichnet sich durch eine benutzerfreundliche Oberfläche aus, die eine intuitive Bedienung ermöglicht und somit den Arbeitsalltag von Immobilienmaklern erleichtert. Kunden loben insbesondere die einfache Handhabung und die schnelle Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Zudem bietet Propstack einen persönlichen Live-Support, der ohne lange Wartezeiten direkte Lösungen per Chat bereitstellt, was den Nutzern einen effizienten und unkomplizierten Service gewährleistet
  2. die schnelle Ladegeschwindigkeit
  3. Deals: Die Deals-Funktion im Makler-CRM Propstack ermöglicht die Verwaltung und Nachverfolgung von Transaktionen in Immobilienprojekten, von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Abschluss. Sie bietet eine zentrale Übersicht über den Status jedes Deals, unterstützt durch Automatisierungen, Aufgabenmanagement und Datenanalyse. So können Makler ihre Verkaufsprozesse effizienter gestalten und die Abschlussraten erhöhen.

Welches Makler-CRM am Ende des Tages die Nase vorn hat, ist eine Abwägung der individuellen Anforderungen jedes Maklerbüros. Eine allgemeingültige Empfehlung kann nicht gegeben werden. Zu groß sind die individuellen Strukturen, Prozesse und Spezialisierungen der Maklerunternehmen.

Propstack Dashboard

Bankenverbundene Makler

Bankenverbundene Makler haben zumeist ihren Schwerpunkt im Bereich ‘Wohnen Bestand’. Erste Anlaufstelle für Bankenverbundene Makler ist erfahrungsgemäß das Leipziger Unternehmen FIO Systems AG, das zur börsennotierten Hypoport SE gehört. Die Hypoport SE mit Hauptsitz in Lübeck ist die Muttergesellschaft eines Netzwerks von Technologieunternehmen, die in den Bereichen Kredit-, Immobilien- und Versicherungswirtschaft tätig sind. Die Unternehmensgruppe gliedert sich in vier Segmente: Kreditplattform, Privatkunden, Immobilienplattform und Versicherungsplattform. Zu den bekanntesten Tochtergesellschaften zählen die Europace AG, die Dr. Klein Privatkunden AG und die FIO Systems AG.

An FIO schätzen Bankenverbundene Makler:

  1. Schnittstellen in die Kernbankensysteme: Wo andere CRMs mit webbasierten Tippgeber-Anwendungen die Brücke in die Bank oder Sparkasse schlagen, kann FIO mit einer Schnittstelle in die Welt der Sparkassen (FI) und Volksbanken (Atruvia) punkten. Ein genauer Blick, welche der individuellen Anforderungen diese Schnittstelle im jeweiligen Kontext bedienen kann, ist aber nötig.
  2. Sicherheit auf Bankenlevel: Wenn DORA, das Digital Operational Resiliance Act der EU am 1.1.2025 in Deutschland in Kraft tritt, steigen die Anforderungen an das Management externer IT-Dienstleister noch einmal. FIO ist auf die Bedienung solcher bankenspezifischer Anforderungen spezialisiert.
  3. Künstliche Intelligenz: FIO hat in den vergangenen Jahren über das verbundene Unternehmen kitchen GmbH viel mit KI experimentiert. Die Ergebnisse fließen regelmäßig in Updates in den FIO Webmakler mit ein. Im Unterschied zu anderen Makler-CRMs bietet der FIO Webmakler z.B. KI-basiertes Homestaging direkt nativ integriert an.

Auch onOffice und Propstack bieten mittlerweile funktionsstarke Tippgeber-Tools, die die Brücke zwischen den Bankenmitarbeitern und denen der Immobilientochter schlagen. Ein Vergleich der Anforderungen lohnt sich daher.

„Für Gewerbe-Immobilienmakler ist das Angebot an Maklersoftware nach wie vor ausbaufähig.“

Gewerbe-Immobilienmakler

Für Gewerbe-Immobilienmakler ist das Angebot an Maklersoftware nach wie vor ausbaufähig. Das letzte Update von estatePro liegt bereits mehr als 2 Jahre zurück. Zur Commercial Edition von FLOWFACT liegen nur wenig öffentlich verfügbare Informationen vor, die Anzahl der Referenzen ist allerdings überschaubar, neue kommen kaum hinzu. Der neue Anbieter Empro ist noch zu jung im Markt, sodass es noch zu wenig Erfahrungswerte gibt.

Hinzu kommt, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Gewerbe-Immobilienmakler nach wie vor herausfordernd sind und viele daher zurückhaltend mit Investitionen in ihre technologische Infrastruktur sind. Es ist daher nicht verwunderlich, dass einige relevante Player weiter auf den lieb gewonnenen FLOWFACT Performer oder estatePro setzen, die beide in den letzten Jahren allerdings auch nicht weiterentwickelt wurden. Hier baut sich also Investitionsstau weiter auf, der sich aus heutiger Sicht aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen der Maklerhäuser auch 2025 kaum entladen wird.

Fazit

  1. Marktbewegungen und neue Entwicklungen: Der Markt für Makler-CRMs zeigt im Jahr 2024 eine hohe Dynamik. Mit neuen Playern wie Empro (Empro und EmproUp). Gleichzeitig wächst onOffice stark weiter mit über 36.000 Nutzern und als konzernunabhängiges Unternehmen Marktführer. Propstack gewinnt weiter Marktanteile und FIO spielt weiterhin eine zentrale Rolle bei bankenverbundenen Maklern.
  2. Zielgruppenspezifische Stärken der CRMs: Für große Maklerhäuser mit Wohnimmobilien sind onOffice und Propstack besonders relevant. Propstack überzeugt mit besonders hoher Benutzerfreundlichkeit und Ladegeschwindigkeit, während onOffice durch umfassende Anpassungsoptionen und einen vielfältigen Marketplace punktet. FIO hingegen adressiert bankenverbundene Makler durch Schnittstellen zu den Kernbankensystemen, Sicherheitsstandards auf Bankenlevel und KI-gestütztes Homestaging.
  3. Herausforderungen bei Einzelmaklern und kleinen Unternehmen: Excel bleibt mit einem geschätzten Marktanteil von 50-60 Prozent dominierend. Softwareanbieter wie FLOWFACT Mini, ilogu und EmproUp versuchen, diese Zielgruppe mit spezialisierten Lösungen wie Automatisierungen und einfacher Exposé-Verwaltung anzusprechen, wobei FLOWFACT Mini und EmproUp erst seit Kurzem am Markt sind und deren weitere Entwicklung noch abzuwarten ist.

Robert Kaiser

Weitere Beiträge zum Thema Makler-CRM von Robert Kaiser:


Dieser Artikel erschien erstmals in der Ausgabe IMMOBILIEN-PROFI Nr. 150 - jetzt entdecken!

  • Digital in Dubai
    Editorial
    Von Werner Berghaus
  • Makler-CRM Update 2024
    Der Markt für Makler-CRMs war in den letzten 12 Monaten so stark in Bewegung wie schon lange nicht mehr
    Von Robert Kaiser
  • Was 2025 auf Immobilienprofis zukommt (1)
    Das neue Jahr ist mit einigen Veränderungen für Immobiliendienstleister verbunden [...}
    Von Bernhard Hoffmann

Zur Ausgabe 150 >

Zum Heftarchiv >


Sie haben noch kein Abonnement?

Das einzige unabhängige Magazin der Maklerbranche!

Mit DEN Themen, die Makler interessieren. Erfahren Sie mit dem Konzept "Makeln21" die Zukunft der Immobilienvermarktung.

Holen Sie sich heute noch Ihr Abo!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert