Es war im Jahr 2013, als wir in Köln ein Interview mit Nikolai Roth von Maklaro (damals ImCheck24) drehten. Das Besondere an diesem Gespräch: Start-up-Gründer Roth wollte den Beweis antreten, dass man Makleraufträge für Wohnimmobilien allein über das Internet akquirieren kann. Alle Makler, denen Roth sein Konzept damals vorstellte, hätten mitleidig abgewinkt, berichtete Roth.
Doch der Beweis gelang und für die Maklerbranche brach eine neue Zeit an. Fortan mussten nicht wenige Makler erkennen, dass sie bei der digitalen Akquise abgehängt werden. Heute muss festgestellt werden, dass jeder über das Internet gewonnene Vermittlungsauftrag mit mehreren Tausend Euro Akquisekosten vorbelastet ist. Die Begeisterung der Branche über die Provisionsbeteiligung der Lead-Fischer ist entsprechend überschaubar.
Mit diesen Zeilen startete das Editorial der Ausgabe 113, zweigt dann allerdings ins klassische Farming ab, lobt die Flyerverteilung (persönlich durch den zuständigen Makler) und zeigt unterschiedliche Wege auf, an Vermittlungsaufträge zu gelangen.
Dieses Mal jedoch widmen wir uns dem Ankauf von Leads bei unterschiedlichen Anbietern. Denn aus dem Fischen nach Eigentümer-Leads ist eine richtige Branche entstanden. Eher zufällig, wie berichtet wird. Eine Maklerin hätte, vermittelt über Käuferportal (heute Aroundhome), eine Küche bei einem lokalen Anbieter erworben. Glücklich über den gelungenen Service äußerte sie unvorsichtig, so etwas müsse es auch für Makler geben. Worauf der Mitarbeiter des Portals entgegnete, dafür gäbe es doch Immobilien-Scout. Keinesfalls widersprach die Maklerin, man suche doch nicht nur Käufer, sondern auch Auftraggeber.
Der Legende nach sei so der Berufsstand der Lead-Fischer begründet worden, und deren Geschäft verlief anfangs sehr ertragreich. Ich erinnere mich an den Anruf eines Kölner Maklers, der darüber klagte, dass er mehr Mitarbeiter benötigt, weil er in Aufträgen zu ertrinken drohe.
Solche Aussagen von Kunden höre ich mir eigentlich nur am 1. April an, meinte ich, und wollte wissen, wie sich denn dieses schreckliche Schicksal ereignet hätte. So erfuhr ich erstmals von Käuferportal und den Anfangserfolgen der „Early Adopters“.
Heute ist der Kauf von Leads längst im Maklerbusiness etabliert. Gemeinsam mit der Maklersprechstunde von Georg Ortner haben wir bislang zwei Umfragen gestartet, um mehr über die Hintergründe zu erfahren.
Im ersten Schritt konnten wir feststellen, dass nur 20 Prozent der Kollegen Eigentümer-Adressen einkaufen. Viele Kollegen lehnen dieses Geschäft sogar ab und beteuern an jeder passenden und unpassenden Stelle, dass sie dies nicht nötig hätten. Trotzdem sind Zweifel berechtigt, eine Dunkelziffer weiterer Leadbezieher darf vermutet werden.
Im Weiteren wollten wir mehr über die Qualität der Leads erfahren, dazu finden Sie im Heft ein Interview mit Robin Kolbe von Parma Immobilien in Düren über die erfolgreiche Verwertung dieser Leads.
Dieses Thema wird uns auch in den nächsten Ausgaben weiter begleiten, denn viele Fragen bleiben noch offen.
Wer kauft Leads? Sind es die Anfänger ohne funktionierendes Marketing oder sind es besonders die großen Unternehmen, die alles kaufen, um die Wettbewerber auf Abstand zu halten?
Welche verdeckten Kosten beinhalten die Leads? Die meistgenannte Erfolgsquote von zehn Prozent bedeutet auch, dass viel vergeblicher Aufwand hinter den anderen Leads lauert. Welches Unternehmen ermittelt diese Kosten und wie? Oder ist die Entlohnung eines erfolgreichen Abschlusses so hoch, dass es jeden Aufwand rechtfertigt?
Und last, but not least: Wer sind die Auftraggeber, die ihren Makler übers Internet finden, statt die lokalen Anbieter anzusprechen?
Dieser Artikel erschien erstmals in der Ausgabe IMMOBILIEN-PROFI Nr. 156 - jetzt entdecken!
- O Tempora...
Editorial
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