Wo kopflos mal durchdacht ist!

Mit Headless CMS zum Erfolg

Was wäre der Immobilienmarkt ohne das Internet?

Die Antwort darauf gibt uns so manche Erinnerung an das Durchstöbern von Printmedien. Noch in den 90er Jahren war das so: Wer Interesse an einer Immobilie hatte, der griff zur Zeitung. Heute geht alles digital, vom Erstkontakt des Kunden bis zur Präsentation der Immobilie auf der Makler-Website. Der Markt der sogenannten CMS floriert und hat bis heute eine bemerkenswerte Entwicklung durchlebt. Ein spannendes Thema, über das ich mit Daniela Aust sprechen möchte. Sie ist als Designerin und Agenturinhaberin, Expertin für Performance-Marketing und Markenbildung.

Werner Berghaus: Was ist das eigentlich, ein CMS?

Daniela Aust – CEO Königspunkt; Founder und CEO Ynfinite

Daniela Aust: Ein CMS ist ein Content-Management-System. Mit ihm lassen sich Internetseiten gestalten und, wie der Name schon sagt, Inhalte verwalten. Meistens werden CMS für Websites verwendet, damit der Kunde selbständig Bilder oder Texte austauschen kann. Damit wurde quasi Content-Management und Layout Management vermischt. Die Systeme haben also genaue Vorstellungen davon, wie Websites und deren Inhalte zusammen auszusehen haben.

Über die letzten Jahre sind immer mehr CMS-Produkte als All-in-One-Lösungen auf den Markt gekommen: Mit ihnen lässt sich nicht nur der Content, also alles Inhaltliche, an sich verwalten, sondern auch die Optik der Website. Katalog ähnlich kann man aus unterschiedlichen Designs und Gestaltungsmethoden auswählen. Hier ist das Smarte, dass durch das visuelle Zusammenstellen oft gar kein Fachmann benötigt wird. Sozusagen die Selfmade-Lösung.

Lassen Sie mich raten: Das mag komfortabel sein, hat aus Expertensicht aber auch Nachteile.

In der Tat. Für einen Laien erfüllt so ein Allround-Programm seinen Zweck. Für Marketingprofis, die komplexere Website-Strukturen benötigen, stoßen da manche Programme an ihre Grenzen.

Der Nachteil liegt in der technischen Einschränkung für spezielle technische Funktionen oder auch die fehlende Inhaltsstruktur und Prozessstärke für die Verknüpfung mit anderen Systemen wie einem CRM. Um solche Funktionen zu ermöglichen, muss viel Arbeit und Zeit in die Entwicklung gesteckt werden.

Hier bietet sich eine neue Form von CMS an, die weitaus mehr Möglichkeiten der Strukturierung und auch der Entfaltung bietet: das sogenannte Headless CMS.

„Headless kommt aus dem Englischen, wo der „Head“ der Website das Frontend, also das, was der Besucher sieht, ist – es hat keine Meinung mehr dazu, wie Websites auszusehen haben.“

©Daniela Aust

Also ein „kopfloses“ Programm? Wie kann das gutgehen?

Ein Headless CMS hält sich aus der Optik heraus, Headless kommt aus dem Englischen, wo der „Head“ der Website das Frontend, also das, was der Besucher sieht, ist – es hat keine Meinung mehr dazu, wie Websites auszusehen haben. Der Inhalt wird komplett von der Visualisierung getrennt, was es wesentlich einfacher macht, mit der Geschwindigkeit der Technologie mitzuhalten. Es bietet dafür wesentlich stärkere Werkzeuge, um Inhalte zu strukturieren und zu verwalten.

Ein Beispiel: Wo gestern die Skriptsprache PHP als beste Lösung für Websites angesehen wurde, gibt es heute JavaScript Frameworks wie React oder Vue, die einen wesentlich besseren Job machen. Mit ihnen fällt es bedeutend leichter, die komplexen Anforderungen moderner Websites abzubilden. Traditionelle CMS können hiermit oft schwer mithalten oder benötigen aufwändige Umstellungen. Dadurch, dass Headless CMS keine Meinung von Frontend und Optik haben, ist es relativ einfach, die optischen Masken zu tauschen. Zum Beispiel bei einem Modernisierungswunsch der Website. Außerdem ist hier ein höherer Consulting-Aspekt berücksichtigt. Headless CMS sind eben nicht nur kopflos, sondern auch intelligent, sie erzwingen sozusagen eine Struktur im Content und somit in der Unternehmens- und Produktdarstellung.

Wo Sie gerade Consulting erwähnen, das klingt kostspielig: Ein Headless CMS lässt sich sicher nur von einem Profi bedienen und hat doch einen ganz anderen Preis! Zumal es ja auch kostenlose Software gibt, die richtig gut ist, wie zum Beispiel WordPress oder Contao.

Ohne Frage: Diese Open-Source-Produkte sind sehr gut. Viele programmieren gemeinsam daran und stellen Lösungen für spezielle Anforderungen der Gemeinschaft zur Verfügung. Das ist auf den ersten Blick eine gute Sache, bringt aber auch immer eine Reihe von Nachteilen mit, wie z.B. Update-Sicherheit.

Zudem entsteht entweder eine hohe Abhängigkeit vom jeweiligen Entwickler oder ein enormer Dokumentationsaufwand. Denn jeder Entwickler programmiert hier nach seinen ganz eigenen Regeln. Es ist sehr schwer, hier zu einem anderen Entwickler zu wechseln, ohne einen großen Aufwand für die Einarbeitung zu erzeugen. Zumindest fassen die meisten Entwickler, die ich kenne, keine Websites eines anderen gern an. Man weiß nie, was man mit einfachen Veränderungen einer Codezeile an einer anderen Stelle zerstört.

„Zumindest fassen die meisten Entwickler, die ich kenne, keine Websites eines anderen gern an. Man weiß nie, was man mit einfachen Veränderungen einer Codezeile an einer anderen Stelle zerstört.“

Verstehe. Das ist dann bei einem Headless CMS anders, weil die Software auf das Unternehmen angepasst ist und die Programmierung nur das Frontend dazu entwickelt. Schön wäre es ja, wenn es so flexibel wäre, dass es auch unterschiedliche Formate bedienen kann, nicht nur die Website.

Und das funktioniert tatsächlich. Da, wie schon oben erwähnt, ein Headless CMS keine Meinung von Optik hat, ist ihm auch sein Frontend und somit der Zielort des Contents egal. Also das Endmedium oder Endformat, mit dem der User den Inhalt konsumiert: Website, Handy-App, Social Media oder Newsletter. Solange die jeweiligen Kanäle die gesendeten Informationen verstehen, können mit den gleichen oder leicht angepassten Inhalten alle Kanäle bespielt werden. Gerade in der heutigen Zeit, in der man sich in seinem Marketing so breit aufstellen muss, wie es geht, sind zentrale Inhaltsdatenbanken wichtiger denn je zuvor. Dies erleichtert das Pflegen der Inhalte sehr, man verteilt zentral an alle relevanten Stellen.

Inhalte sind an vielen Stellen wichtig. Gerade viele kleine und mittelständische Firmen sind von der Vielzahl an Optionen völlig überfordert: Instagram, Facebook, Newsletter etc. Und selbst wenn das generelle Verständnis da ist, welche Kanäle es alles gibt und wie diese funktionieren, fehlt es oft trotzdem an der Arbeitskraft, um sich um alles zu kümmern. Headless CMS sind mal mehr und mal weniger genau auf diese automatisierte Ausspielung angelegt.

Es wäre also praktisch, auf eine Automatisierung für die Inhaltserstellung zurückgreifen zu können.

Das ist das Ziel, genau: eine sogenannte Content-Automation zu schaffen, welche – einmal eingestellt – automatisch dafür sorgt, dass Inhalte an den richtigen Stellen und Kanälen auftauchen. Inhalte, die einmal geschrieben wurden, sollten sich so automatisch wie möglich auf die richtigen Stellen der Website verteilen. Das CMS sollte entscheiden, in welchem Kanal der Inhalt platziert werden muss – und das ist der Clou: am besten, ohne viel per Hand machen zu müssen. Optimal ist es, dem System einmal zu sagen, wie es sich zu verhalten hat, um danach nur noch Inhalte im System anzulegen.

Der Vorteil eines solchen Vorgehens liegt auf der Hand. Weniger Arbeit beim Einfügen von Inhalten und automatisiertes Bespielen von vielen Kanälen. Das reduziert die aufgebrachte Arbeitszeit und ist günstiger über die Zeit.

Lassen Sie mich raten, es geht noch besser! Stichwort Marketing-Automation.

Genau. Während Content-Automation schon ein Teil von Marketing-Automation ist, geht diese noch einen Schritt weiter. Wenn ein Lead über die Website Kontakt zu Ihnen aufnimmt, sollte diese E-Mail nicht einfach nur in einem E-Mail-Postfach verschwinden, sondern möglichst sofort beantwortet werden. Hierbei kann Marketing-Automation helfen. Eine E-Mail landet in einem Prozess, welcher diese automatisch „betreut“, von Anfang bis Ende. So können automatisch E-Mails versendet, REST APIs (Programmierschnittstellen) angefragt und mit Verzögerungen sogar nach einer festgelegten Anzahl von Tagen eine Erinnerung versendet werden. Wenn diese Prozesse fein eingestellt sind, können damit ganze Verkaufsketten mit Wenn-Dann-Szenarien gespielt werden. Der ganze Marketing-Automationsprozess bedient sich den gleichen Inhalten, wie sie auch für alles andere verwendet werden. Auch hier sprechen wir wieder von Vereinfachung von Prozessen und Reduktion von Arbeitszeit für sich wiederholende Anforderungen.

©Daniela Aust

„Und selbst wenn das generelle Verständnis da ist, welche Kanäle es alles gibt und wie diese funktionieren, fehlt es oft trotzdem an der Arbeitskraft, um sich um alles zu
kümmern. Headless CMS sind mal mehr und mal weniger genau auf diese automatisierte Ausspielung angelegt.“

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Es gibt mittlerweile einige echt gute Headless CMS auf dem Markt. Contentful ist zum Beispiel ein solches. Mit so einer Software lassen sich komplexe Websites gestalten und auf unterschiedlichen Wegen ausspielen.

Und ich habe auch ein Beispiel aus eigenem Hause mitgebracht: „Ynfinite“, das wir selber entwickelt haben. Eine professionelle Lösung für jedermann, die diese Qualität auch bezahlbar und leicht bedienbar macht. „Ynfinite“ wie englisch „infinite“, „unbegrenzt“ also, was auf unbegrenzte Möglichkeiten abzielt. Es vereint nämlich die besten Eigenschaften von traditionellen CMS und Headless CMS. Während Inhalte komplett ohne optische Meinung gespeichert werden, sind die ausgegebenen Daten schon so weit für Websites aufbereitet, dass diese einfach verwendet werden können. Content- und Marketing-Automation können einmal konfiguriert werden und übernehmen dann die Arbeit der Website-Beauftragten. Ebenfalls liefert „Ynfinite“ CMS-Lösungen für DSGVO-Consents (Einwilligungen zur Datenschutz-Grundverordnung), so wie die meisten gängigen Probleme, die auf Websites entstehen, „out of the box“. Und bezogen auf die Immobilienwelt dient „Ynfinite“ zum Beispiel als starker Importer für OpenImmo-Daten. Außerdem bietet er einen Bilderservice (Stichwort: nie wieder Bilder zurechtschneiden) und Cachingservice (Stichpunkt Geschwindigkeit) für schnelle Websites. 

Dann halte ich fest: Ob CMS oder Headless CMS, da ist nicht nur die Frage, was ich in Zukunft mit meinem Content alles machen möchte, sondern auch, welches System hinter meiner Website liegt. Vielleicht gibt es ja in ein paar Jahren gar keine klassische Homepage mehr.

Ein interessanter Gedanke, denn das halte ich auch für möglich. Wahrscheinlich gibt es einfach mehr und mehr Content-Plattformen, in denen man Artikel, Beiträge etc. konsumiert. Dafür kann man sich bereits jetzt aufstellen und die Zukunft positiv gestalten.

Daniela Aust


Dieser Artikel erschien erstmals in der Ausgabe IMMOBILIEN-PROFI Nr. 133 - jetzt entdecken!

  • Kopfsache
    Von Werner Berghaus
  • Charming Farming
    Von Werner Berghaus
  • Farming-on-Demand
    Von Andrea Fricke
  • Manipulation ist der natürliche Feind des Vertrauens
    Serie Verkaufstechnik HPS (letzter Teil)
    Von Bernhard Hoffmann
  • State Management im NLP oder: Die Kunst der Selbstbeeinflussung
    NLP für Immobilien-Profis (4)
    Von Dominik Hoffner
  • Immobilienbewertung 2023 ? Ausblick auf spannende Zeiten
    Von Sebastian Drießen
  • ?Wer will das jetzt kaufen??
  • Von wegen ?Brötchenmakler?
    Serie Quereinsteiger (3)
    Von Bernhard Hoffmann
  • Welches Makler-CRM ist das beste (für mich)?
    Von Robert Kaiser
  • Rückblick: Innendienst-Training, 1. Runde
    Von Peter Arndt
  • KI für Immobilienmakler
    Von Andrea Fricke
  • Netzwerke: eXP Realty Germany
    Von Werner Berghaus
  • Früher Kita-Kinder, heute zerstrittene Immobilienerben
    Serie Quereinsteiger (4)
    Von Bernhard Hoffmann
  • Wo kopflos mal durchdacht ist
    Von Daniela Aust

Zur Ausgabe 133 >

Zum Heftarchiv >


Sie haben noch kein Abonnement?

Das einzige unabhängige Magazin der Maklerbranche!

Mit DEN Themen, die Makler interessieren. Erfahren Sie mit dem Konzept "Makeln21" die Zukunft der Immobilienvermarktung.

Holen Sie sich heute noch Ihr Abo!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert