Holey und "seine Stadt"

und „seine Stadt“

Vom Jäger und Sammler zum begeisterten „Farmer“. Makler wechselte zwischen zwei Extremen.

Es kann sich lohnen, während der Arbeit gelegentlich einmal aus dem Fenster zu schauen. Jedenfalls hat es sich für Rüdiger Holey Anfang 2008 ausgezahlt. Zum Zeitpunkt seines Blicks aus dem Büro in der Düsseldorfer Lindenstraße war Holey ein ganz normaler Wohnimmobilien-Makler, der auch schon einmal mit Investment-Immobilien liebäugelte. In Düsseldorf und Umgebung verkaufte Holey Wohnimmobilien, und andernorts beschäftigte er sich mit dem Verkauf von Zinshäusern an Investoren.
Gelegenheiten wurden gesucht und gefunden, und kein Weg war zu weit – auch wenn Objekte in Berlin, Hamburg oder Rostock standen. Doch für Rüdiger Holey wurde auch deutlich, dass das Interesse der institutionellen, meist ausländischen Investoren spürbar nachließ.
Zeit, sich mit strategischen Fragen zu beschäftigen. So schaut Rüdiger Holey also aus dem Fenster und macht sich so seine Gedanken. Die Lindenstraße im Düsseldorfer Zentrum, in der sich sein Büro befindet, kennt er ganz gut. Und so stellt er fest, dass der Markt in Be wegung ist: Dort steht ein Haus zum Verkauf, hier hat ein Mehrfamilienhaus einen neuen Eigentümer gefunden, und an anderer Stelle sucht ein Investor gerade eine weitere Immobilie. „Warum konzentriere ich mich nicht auf dieses Geschäft vor der Tür?“, fragt sich Holey. Schließlich ist ihm das sogenannte nicht fremd, denn im IMMOBILIEN-PROFI und bei Veranstaltungen wird intensiv über dieses Thema diskutiert.

Mehr als ein Jahr später besuchen wir Rüdiger Holey in Düsseldorf, um ein Interview aufzuzeichnen und erfahren Erstaunliches über sein heutiges Geschäftsmodell. Erfreut berichtet Holey, dass er vor wenigen Tagen ein Mehrparteienhaus verkauft hat. Und so lassen wir uns gern schildern, wie ein Vermarktungsauftrag heute bei ihm abläuft.
Vor etwa sechs Wochen hatte Rüdiger Holey das Objekt in Auftrag genommen. Während andere Makler daraufhin Anzeigen texten und Portale mit Objektdaten beschicken, setzt sich Holey im ersten Schritt an seine Datenbank. Er filtert etwa 200 Eigentümer der um liegenden Objekte heraus und bereitet einen persönlichen Brief vor. Dessen Inhalt lässt sich wie folgt skizzieren:

Ich, Rüdiger Holey, vermarkte ein Objekt dort, wo Sie, sehr geehrter Investor, bereits investiert haben. Deshalb frage ich Sie: Sind Sie interessiert daran, ein ähnliches Objekt zu erwerben?
Oder planen Sie ebenfalls den Verkauf Ihres Objekts? Dann möchte ich Ihnen gern meine Spezialisierung vorstellen. Holey Immobilien vermittelt ausschließlich Zinshäuser in der Düsseldorfer Innenstadt. In unserer Datenbank befinden sich Informationen zu 6.500 Objekten mit etwa 3.800 Eigentümern…

Die 200 Briefe werden versendet und innerhalb von wenigen Tagen melden sich etwa zehn Interessenten für dieses Objekt. Nun braucht es noch einige Wochen, bis Käufer und Verkäufer sich einigen, anschließend wird die Transaktion notariell beurkundet.