Die Antworten zu unseren Problemen kommen aus der Zukunft und nicht von gestern“
(Frederic Vester, dtsch. Biochemiker u. Umweltwissenschaftler)

Wenn Unternehmer sich mit Business Planung und Führung beschäftigen, kommen sie unweigerlich an den Punkt, wo die Frage nach der unternehmerischen Vision gestellt wird. Dieser Punkt ist eine der spannendsten und zentralsten Fragestellungen unternehmerischen Schaffens.

ip50sys1Viele Unternehmer geben an, dass sie keine unternehmerische Vision haben und setzen dann gleich nach, dass sie diese auch gar nicht benötigen. Häufig wird der Begriff der Vision nämlich mit Lippenbekenntnissen gleichgesetzt, die als rhetorisches Stilmittel eingesetzt werden, um den Anschein von Professionalität zu erwecken. Tatsächlich ist dies auch sehr häufig der Fall. Konzerne engagieren PR- und Marketingfachleute, um eine geschliffene Formulierung zu finden, die den Konzern nach außen als innovativ und menschenorientiert erscheinen lassen. Das Ganze wird dann in Stein gemeißelt und in der prunkvollen Empfangshalle platziert. Die Praxis wird später von Pressemitteilungen und Fallbeispielen geprägt, in denen das reine Profitdenken der Konzernlenker die schriftlich formulierten Ideale und Werte disqualifiziert.

Der Nutzen der unternehmerischen Vision

Kaum ein Mensch möchte auf Dauer Tätigkeiten durchführen, deren einziger Nutzen darin besteht, dass er ein Gehalt bekommt und der Unternehmer wohlhabend dadurch wird. Tatsächlich ist es so, dass unsere Motivation größer ist, wenn wir mit unserem Handeln einen Sinn verknüpfen. Aus einer bedeutungslosen oder langweiligen Aufgabe wird dann in einem größeren Bedeutungszusammenhang plötzlich eine Handlung die Sinn ergibt und Nutzen erbringt.

Die unternehmerische Vision hat zum Ziel diesen Sinn und Nutzen zu vermitteln, so dass die eigentlichen Arbeiten einem höheren Ziel dienen. Wird die Vision von Kunden und Mitarbeitern verstanden und akzeptiert, so schafft sie eine innere Verbindung, die man ohne unternehmerische Vision nicht erzielen kann.

Was versteht man unter einer unternehmerischen Vision?

Die unternehmerische Vision muss als Kommunikationsinstrument verstanden werden, dass allen Personen, die mit dem Unternehmen in Verbindung stehen aufzeigt, welchem konkreten Nutzen das Engagement für das Unternehmen dient.

Die klare Forderung an die Vision ist also die Beantwortung der Frage „Was bringt es mir, wenn ich für oder mit diesem Unternehmen zusammen arbeite?

Damit disqualifizieren sich automatisch alle Formulieren in der Form „Wir wollen ein Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern schaffen!“ oder „Wir wollen der ungeschlagene Marktführer werden!“. Solche Formulieren beantworten nämlich lediglich die Frage „Wie groß und stark soll das Unternehmen werden!“ und der einzige Nutzen, der dadurch erkennbar ist besteht in der Steigerung des wirtschaftlichen Erfolgs des Unternehmers. Und dafür will sich nun wirklich niemand engagieren.

Mit der Forderung Sinn und Nutzen zu vermitteln, entstehen an die Vision nun sehr konkrete Forderungen, denn die Zielgruppe der Vision sind schließlich die eigenen Mitarbeiter, Interessenten, Kunden und Investoren. Diesen Zielgruppen muss erklärt werden, wie das Wachstum und die positive Entwicklung der Firma letztendlich zur Verbesserung der Lebensqualität und in eine bessere Zukunft für den einzelnen führt.

Die Verbesserung der Lebensqualität, besseres Zusammenleben, mehr Wohlstand, höhere Qualität, Vertrauen oder Lustgewinn sowie die Abschaffung unangenehmer Zustände stehen also im Vordergrund. Viele Unternehmen und Verbände werden z.B. gegründet, weil man mit einer aktuellen Entwicklung oder einem bestimmten Status Quo unzufrieden ist und etwas dagegen unternehmen möchte. Das persönliche und finanzielle Engagement der Mitglieder ist oft erstaunlich, wenn man die Hintergründe für dieses Engagement nicht kennt. Die unternehmerische Vision trägt zu diesem Engagement bei.